Gospelfestival

Ein Gospelfestival in Regensburg? In der traditionsreichen mittelalterlichen Stadt des rätselhaften romanischen Schottenportals, der sagenumwobenen Emmeramskirche, des filigranen gotischen Doms, der bedeutendsten Bettelordenskirchen Süddeutschlands? Ein ökumenisches Festival, das die Freude an der frohen Botschaft mit frischer, junger Musik feiert – und das in den Mauern einer altehrwürdigen katholischen Stadt? Wie soll das denn zusammenpassen? Es passt besser, als manche vermuten würden. Die Geschichte der stolzen freien Reichsstadt – und auch ihre Gegenwart – zeigt immer wieder, dass gerade aus dem fruchtbaren Dialog von Tradition und Innovation neue Qualitäten entstehen können.

Dies gilt ebenso für die konfessionelle Geschichte der Stadt. Die protestantische Dreieinigkeitskirche aus dem frühen 17. Jahrhundert – und damit aus der Zeit des protestantischen Regensburgs – fungiert als Symbol für den Dialog der Konfessionen, der gerade hier bis heute gepflegt wird. Kein Rahmen könnte also würdiger sein für ein ökumenisches Gospelfestival, das Gruppen aus ganz Deutschland präsentiert. Mit ungeheurer Eigeninitiative hatte die Regensburger Gospelband Deliverance 2003 ein erstes Festival auf die Beine gestellt. Die Hörer dankten es ihnen sofort – mit einem gewaltigen Zuschauerzuspruch von über 3000 begeisterten Gospelfans. Ein nichtkommerzielles Festival geprägt von hoher musikalischer Qualität, das den Zuschauern die ganze Bandbreite moderner Gospelmusik von Spirituals über lateinamerikanische Rhythmen bis hin zu zeitgenössischen Pop- und Rocksounds bietet – das war und ist der Anspruch des Regensburger Gospelfestivals.

In den folgenden Jahren – 2004 und 2006 – konnte sich das Festival mit renommierten Gruppen wie den „Prayers and Preachers“ (Bremerhaven), dem Landesjugendgospelchor Baden-Württemberg und den Münchner „Gospelsternen“ sowie jeweils rund 5000 Zuschauern als nationale Gospel-Institution etablieren. Auch für die 2008er Ausgabe des Festivals haben sich wieder namhafte Gruppen wie „Gospelrock“ (Thüringen), „Prayers and Preachers“ (Bremerhaven), „Regenbogen“ (Schwandorf), „Shake before opening“ (Amberg) und das „Tongue-Gospel-Quartett “ (Burglengenfeld) angekündigt. Da nimmt es sich geradezu wie ein Wunder aus, dass es der Gruppe Deliverance wieder einmal gelungen ist, das ganze Programm für die Zuschauer ohne Eintrittsgeld anzubieten. Aber wie gesagt, das Gospelfestival war schon immer anders als andere Veranstaltungen dieser Art und gehört gerade deswegen zu den wichtigsten Treffpunkten der deutschen Gospelszene.


Deliverance e.V.